„Gesundheitsmanagement bedeutet bei uns, dass ich mich individuell um das Wohlergehen unserer Mitarbeitenden sorge“

Renate Weier ist Dipl. Pädagogin, ausgebildete Personalkauffrau und hat Weiterbildungen unter anderem zur Systemischen Supervisorin absolviert. Sie wechselte aus der Personalentwicklung von Siemens in die DRK Kliniken Berlin und betreut bei uns das betriebliche Gesundheitsmanagement. Dabei hat sie einen ganz besonderen Ansatz: individuelle Betreuung statt Massenprogramme.

Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe als betriebliche Gesundheitsmanagerin?

Man kann als Arbeitgeber so viele Partys anbieten wie man will, das wird die Mitarbeitenden nicht halten, wenn die Bedingungen im Arbeitsalltag nicht stimmen. Meine Aufgabe ist es, für den Mitarbeiter einen Arbeitsplatz zu schaffen, an dem er sich wohl fühlt. Der Unterschied zum Gesundheitsmanagement in großen Unternehmen ist, dass ich viel individueller herangehe. Es gibt keine Massenprogramme, keine Rückengymnastik für 100 Teilnehmer und keine Beschäftigungstherapie. Damit käme ich in der Pflege ohnehin nicht weiter. Unsere Pflegekräfte werden auf Station gebraucht, die kann ich nur mit viel Vorlauf für einen Kurs gewinnen. Stattdessen läuft es umgekehrt: Die Mitarbeitenden rufen mich an, wenn sie Ernährungstipps brauchen, einen Yogakurs besuchen möchten oder die Deckenbeleuchtung im Büro zu dunkel ist. Ich koordiniere und organisiere professionelle Anbieter als Gesundheitsexperten oder zur Durchführung von Workshops.

Mit welcher Art von Sorgen kommen die Mitarbeitenden zu Ihnen?

Aus unserem Standort in Köpenick kam kürzlich die Anfrage, ob man in der Radiologie nicht Kinästhetik einsetzen könnte. Dabei unterstützen Pflegekräfte und Radiologie-Assistenten die Patienten dabei, sich selbst zu bewegen, anstatt ihnen alles abzunehmen. Das ist für die Fachkräfte rückenschonend und für die Patienten gesundheitsfördernd. Ich habe in unseren anderen Standorten gefragt, ob sich noch jemand dafür interessiert, und eine interne Schulung organisiert. So etwas mögen die Mitarbeitenden.

An unserem Standort in Mitte gibt es seit drei Jahren Englischkurse, weil die Mitarbeitenden zunehmend mit Patienten aus dem Ausland kommunizieren müssen, die kein Deutsch sprechen. Für ein Labor, wo sich mehrere Mitarbeitende einen Mikroskop-Arbeitsplatz teilen, haben wir höhenverstellbare Stühle und aufgebockte Labortische besorgt, damit jeder seiner Körpergröße entsprechend bequem sitzen oder auch mal im Stehen arbeiten kann.

Wenn jemand mit einer Idee kommt, sage ich: Bring mir Kollegen, die auch Interesse haben, dann machen wir das. Es werden wirklich die allermeisten Ideen umgesetzt. Mir ist es nur wichtig, finanziell die Balance zu halten. Ich finde es schlimm, wenn ein Unternehmen viel Geld in Gesundheitsmanagement steckt, aber zur Lohnerhöhung der Mitarbeiter sagt: Das können wir uns nicht leisten. Alle meine Maßnahmen werden vom Arbeitgeber oder der Krankenkasse finanziert oder bezuschusst, aber die Balance muss stimmen. Arbeitnehmer sind auch selbst für ihre Gesundheit verantwortlich.

Gibt es auch echte Krisensituationen?

Ja, manchmal sitzen auch in Tränen aufgelöste Mitarbeiter bei mir. Sie haben eine private Krise oder eine Krebsdiagnose erhalten. Zu 90 Prozent meines Arbeitsalltags habe ich es mit Problemen zu tun, manchmal muss ich mich daran erinnern, auch einen Blick für das zu haben, was gut läuft. Aber wie ein Arzt lerne auch ich, mit belastenden Situationen umzugehen. Ich nehme es nicht als mein Leid. Meine Aufgabe ist das Zuhören, dadurch kommen die Mitarbeitenden, die meine Unterstützung suchen, meist von selbst auf gute Ideen, wie sie ihre Situation verbessern können. Ich habe wohl ein Helfersyndrom! An meine Grenzen komme ich nur, wenn jemand den Arbeitgeber ausnutzt. Und das sage ich dem betreffenden Mitarbeiter dann auch.

Welche neuen Angebote des Gesundheitsmanagements sind in den DRK Kliniken Berlin geplant?

Wir starten demnächst mit Shiatsu und Osteopathie. Außerdem arbeite ich an einem Einarbeitungskonzept für Führungskräfte. In Zukunft wird jede neu eingestellte Führungskraft zu einem Termin bei mir eingeladen, in dem wir darüber sprechen, wie man gesund führt. Das bedeutet zu wissen: Wie schaffe ich eine Gesprächsatmosphäre, in der der Mitarbeiter sich traut, sich zu öffnen? Welche Fragen zur Gesundheit darf ich arbeitsrechtlich überhaupt stellen? Zur guten Führung gehört nicht nur Fachwissen, sondern unbedingt auch Empathie!

Interview: DRK Kliniken Berlin/Maja Schäfer

Veröffentlicht von majaschaefer

Leitung Strategisches Recruitment, DRK Kliniken Berlin

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